Generalvikar Pfeffer: „Warnungen und Drohungen lösen kein einziges Problem“

Auch fünf Mitwirkende aus dem Bistum Essen erarbeiten Themenvorschläge für den im Advent startenden Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland. Es geht um Macht, Partizipation und Gewaltenteilung, kirchliche Sexualmoral, die Lebensform der Priester und die Rolle der Frau.

Aus Rom kommt Kritik an der Beschlussfähigkeit der deutschen Kirche und an der Leitungsbeteiligung von Laienchristen

Klaus Pfeffer plädiert für einen weiterhin beherzten offenen Dialog

Mitwirkende aus dem Bistum Essen sind an der Vorbereitung des „Synodalen Weges“ beteiligt

Für einen weiterhin beherzten Weg des offenen Dialogs in der deutschen Kirche spricht sich der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer auch angesichts eines kritischen Schreibens aus dem Vatikan zum „Synodalen Weg“ aus. „Wer heute immer noch glaubt, in der Kirche mit machtvollen Warnungen oder gar Drohungen Diskussionen im Keim zu ersticken, löst kein einziges Problem“, schrieb Pfeffer am Freitagmorgen, 13. September 2019, auf Facebook. Im Gegenteil würden Zerwürfnisse und Risse massiv verstärkt; immer mehr Menschen würden sich von einer solchen Kirche abwenden. „Es ist erschreckend: Offenbar ist in Rom immer noch nicht verstanden worden, in welcher gewaltigen Krise die katholische Kirche nicht nur in Deutschland, sondern weltweit steckt“, so der Essener Generalvikar.

Kritik aus Rom bezieht sich auf einen inzwischen überarbeiteten Satzungsentwurf

Pfeffer bezieht sich auf ein Gutachten des Päpstlichen Rates der Gesetzestexte, das mit Datum vom 4. September mitten in der Zeit der Vorbereitung des „Synodalen Weges“ beim Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, eingetroffen war. Darin wird die kirchenrechtliche Zulässigkeit des Satzungsentwurfs für den „Synodalen Weg“ massiv in Frage stellt. Der Päpstliche Rat der Gesetzestexte kritisiert, dass die deutsche Kirche Beschlüsse für sich beanspruche, die nicht in die Kompetenz der Ortskirche fielen, und dass Laienchristen an der Leitung beteiligt würden: „Wie kann eine Versammlung einer Teilkirche über Themen der Weltkirche beschließen, und wie kann sich eine Bischofskonferenz von einer Versammlung dominieren lassen, von der die meisten Mitglieder keine Bischöfe sind?“, heißt es in dem Schreiben. Die Kongregation für die Bischöfe, die das Schreiben übermittelte, fordert die Deutsche Bischofskonferenz dazu auf, das Regelwerk zum „Synodalen Weg“ zu überarbeiten und dem Papst zur Bestätigung vorzulegen. Allerdings bezieht sich die Kritik aus Rom auf eine Fassung der Statuten, die inzwischen ohnehin weiterentwickelt worden ist.

Unterdessen werden die Vorbereitungen des „Synodalen Weges“ weiter vorangetrieben und am 13. und 14. September in Fulda bei einer Sitzung von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und der im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) organisierten Laienchristen beraten.  Am 1. Advent sollen die Gespräche des „Synodalen Weges“ starten, das erste große Treffen des „Synodalen Weges“ ist für das Frühjahr 2020 geplant. Der gesamte Prozess ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Mitwirkende aus dem Bistum Essen bereiten den Reformprozess mit vor

In vier Foren, an denen mit rund 60 weiteren Mitwirkenden auch fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Bistum Essen beteiligt sind, werden die Themen des Synodalen Weges vorbereitet: Machtfragen in der Kirche, Sexualmoral, priesterliche Lebensform und die Rolle der Frau – sie kommen mit Blick auf den Missbrauchsskandal der katholischen Kirche auf den Prüfstand, ohne dass eine schnelle, geschweige denn einfache Lösung dieser Kritikpunkte in Aussicht steht.

Den vier Foren steht jeweils eine Doppelspitze vor, bestehend aus einem Bischof und einem Laienvertreter. Das erste Forum „Macht, Partizipation und Gewaltenteilung“ wird von ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel gemeinsam mit Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) geleitet. Aus dem Bistum Essen nehmen an diesem Forum auch Bischof Franz-Josef Overbeck und der Bochumer Exegese-Professor Thomas Söding teil.

Im zweiten Forum geht es um kirchliche Sexualmoral; die Leitung übernehmen Birgit Mock, Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KFDFB) und Bischof Georg Bätzing (Limburg). Dem dritten Forum „Priesterliche Lebensform“ stehen der Geschäftsführer des Katholischen Verbandes für soziale Dienste in Deutschland (SKM), Stephan Buttgereit, und Bischof Felix Genn (Münster) vor.

Das vierte Forum zur Frauen-Frage in der Kirche wurde nachträglich eingerichtet

Das vierte Forum zu „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ wurde von den Bischöfen nachträglich eingerichtet. Es steht unter der Verantwortung von Theologieprofessorin Dorothea Sattler, Ökumenisches Institut der Universität Münster, und Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück). Auch im Frauen-Forum arbeiten drei Mitglieder aus dem Bistum Essen mit: Weihbischof Ludger Schepers, der auch in der Frauenkommission der Bischofskonferenz sitzt, die Theologin und Genderforscherin Andrea Qualbrink, Referentin für Strategie und Entwicklung im Essener Generalvikariat, sowie die Bochumerin Irmentraud Kobusch vom Kölner Netzwerk „Diakonat der Frau“.

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