Impuls: Drei Könige – und eine kleine Störung?

Ich will gar nicht stören! Aber es ist ja unübersehbar: Dem berühmten Maler Rogier van der Weyden ist auf seinem Columba-Altar ein böser Schnitzer unterlaufen. Die drei Könige – prachtvoll und festlich gekleidet, von Völkerscharen begleitet – bringen dem Jesuskind ihre Gaben. Der Stall ist als durchaus hübsch anzuschauende Ruine dargestellt. Aber über dem Mittelpfeiler – über dem gesenkten Haupt der Mutter Maria: Da hängt der gekreuzigte Jesus! Das geht doch gar nicht! Das kommt doch erst noch. Ganz am Ende der Geschichte!

Eigentlich bin ich mir sicher: Dieser Anachronismus ist kein Versehen. Meistens ist es ja so: Wer das Ende vorweg erzählt, bringt sich um die Pointe. Aber hier passiert das Gegenteil. Die Pointe der Jesusgeschichte: Hier springt sie ins Auge. Und ist vielleicht ein heilsamer Stich ins Herz und Gemüt. Das Kind, vor dem die Könige das Knie beugen und den Hut ziehen, wird den Sklaventod am Kreuz sterben. So weit geht die Liebe Gottes zu den Menschen. So tief geht’s hinunter: Nicht nur bis zur Armut der Geburt im Stall (die wir gerne idyllisch verklären), sondern bis in das Dunkel des Todes.

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Dr. Herbert Fendrich

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